Wenn Marken begehbar werden: Wie interaktive Technik die Unternehmenspräsentation verändert

Wenn Marken begehbar werden: Wie interaktive Technik die Unternehmenspräsentation verändert

Unternehmenskommunikation findet längst nicht mehr ausschließlich auf Websites, in sozialen Netzwerken oder in klassischen Werbemitteln statt. Gerade dort, wo Unternehmen ihren Kunden persönlich begegnen, gewinnt die Verbindung aus realem Raum und digitalen Medien an Bedeutung. Messen, Besucherzentren, Firmenzentralen und Ausstellungsflächen entwickeln sich zunehmend zu Orten, an denen Informationen nicht nur betrachtet, sondern aktiv entdeckt werden können.

Das verändert auch die Erwartungen der Besucher. Eine Wand mit Produktbroschüren oder ein Bildschirm, auf dem ein Unternehmensfilm in Endlosschleife läuft, kann zwar informieren – wirklich im Gedächtnis bleibt eine Präsentation jedoch häufig erst dann, wenn Menschen selbst etwas ausprobieren können. Digitale Exponate, interaktive Displays und ein Multitouch Tisch können aus einer klassischen Präsentationsfläche deshalb einen Ort machen, an dem sich Besucher eigenständig mit Produkten, Projekten und Themen beschäftigen.

Vom Betrachter zum aktiven Teilnehmer

Interaktive Medien verändern zunächst eine ganz einfache Sache: die Rolle des Besuchers. Bei einem Plakat, einem Video oder einer Präsentation bestimmt das Unternehmen weitgehend, welche Informationen in welcher Reihenfolge vermittelt werden. Interaktive Anwendungen drehen dieses Prinzip teilweise um.

Besucher können beispielsweise selbst ein Produkt auswählen, Varianten miteinander vergleichen, eine Karte öffnen, Videos starten oder zusätzliche technische Informationen aufrufen. Besonders bei komplexen Produkten kann das hilfreich sein. Statt sämtliche Details gleichzeitig zu präsentieren, lassen sich Informationen in verschiedene Ebenen aufteilen.

Dadurch entsteht eine individuellere Form der Kommunikation. Ein technisch interessierter Besucher kann sich mit anderen Informationen beschäftigen als jemand, der zunächst nur einen allgemeinen Überblick gewinnen möchte.

Warum Berührung eine besondere Wirkung hat

Touchscreens sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Smartphones und Tablets haben dafür gesorgt, dass Wischen, Tippen und Zoomen vollkommen selbstverständlich geworden sind. Diese vertrauten Bedienmuster lassen sich auch auf größere Präsentationsflächen übertragen.

Interessant wird es vor allem dann, wenn nicht nur eine einzelne Person vor einem Bildschirm steht. Große Touchflächen ermöglichen es mehreren Menschen, gemeinsam Inhalte zu betrachten und zu bedienen. Damit kann aus einem digitalen Bildschirm ein sozialer Treffpunkt werden.

Ein Vertriebsmitarbeiter kann beispielsweise gemeinsam mit Interessenten Produkte vergleichen. Besucher einer Ausstellung können parallel verschiedene Themen entdecken. Auf einer Messe kann ein digitales Exponat wiederum als Ausgangspunkt für ein Gespräch dienen.

Präsentationsform Typische Nutzung Interaktion
Plakat oder Banner Kurze Botschaften und Fernwirkung Keine direkte Interaktion
Videodisplay Filme, Animationen und Produktvorstellungen Meist passive Betrachtung
Touchscreen Produktinformationen, Navigation, Konfiguratoren Aktive Bedienung
Interaktiver Tisch Beratung, gemeinsame Produktentdeckung, Präsentationen Mehrere Personen können gleichzeitig interagieren

Der Unternehmensraum wird selbst zum Medium

Diese Entwicklung betrifft nicht nur Messen. Auch die Räume eines Unternehmens übernehmen zunehmend kommunikative Aufgaben. Empfangsbereiche, Innovation Center oder Besucherzentren werden bewusst so gestaltet, dass sie etwas über das Unternehmen erzählen.

Besonders deutlich wird das beim Showroom. Anders als ein klassischer Verkaufsraum muss er nicht ausschließlich der unmittelbaren Präsentation einzelner Produkte dienen. Er kann die Geschichte eines Unternehmens erzählen, Technologien erklären, Markenwerte vermitteln oder unterschiedliche Lösungen in einer gemeinsamen Umgebung präsentieren.

Damit wird Architektur selbst zu einem Bestandteil der Kommunikation. Licht, Möbel, Displays, Exponate und digitale Anwendungen sollten nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Im besten Fall entsteht daraus eine zusammenhängende Erlebniswelt.

Komplexe Produkte verständlicher präsentieren

Eine besondere Stärke digitaler Präsentationen zeigt sich bei Produkten, die sich nur schwer mit einem Musterstück erklären lassen. Maschinenbau, Mobilität, Energieversorgung oder Software sind typische Beispiele.

Eine komplette Produktionsanlage lässt sich kaum in einem Besucherzentrum aufstellen. Ein digitales Modell kann dagegen Aufbau und Funktionsweise zeigen. Einzelne Komponenten lassen sich auswählen, Prozesse animieren und unterschiedliche Varianten miteinander vergleichen.

Auch Daten können auf diese Weise greifbarer werden. Statt Besucher mit Tabellen zu konfrontieren, können Informationen beispielsweise über Karten, Animationen oder interaktive Diagramme dargestellt werden.

Die Kunst besteht allerdings darin, nicht möglichst viele Informationen auf einen Bildschirm zu packen. Gute digitale Kommunikation reduziert zunächst die Komplexität und ermöglicht anschließend eine freiwillige Vertiefung.

Die Messe als Kampf um Aufmerksamkeit

Noch deutlicher zeigt sich die Bedeutung einer auffälligen Präsentation auf Fach- und Publikumsmessen. Dort stehen teilweise Hunderte Unternehmen in direkter Konkurrenz um wenige Sekunden Aufmerksamkeit.

Große Displays, ungewöhnliche Exponate oder bewegte Inhalte können dabei helfen, den ersten Blick auf einen Stand zu lenken. Ein guter Messestand Eyecatcher sollte jedoch mehr können, als aus der Ferne spektakulär auszusehen. Entscheidend ist, was passiert, nachdem ein Besucher stehen geblieben ist.

Genau an dieser Stelle sind interaktive Anwendungen interessant. Sie können Aufmerksamkeit in Beschäftigung mit der Marke verwandeln. Aus einem kurzen Blick wird möglicherweise eine Interaktion – und daraus wiederum ein Gespräch mit dem Messeteam.

Aufmerksamkeit allein reicht nicht

Digitale Technik kann allerdings schnell zum Selbstzweck werden. Ein riesiger Bildschirm ist nicht automatisch eine gute Präsentation. Auch ein Touchscreen bringt wenig, wenn Besucher nicht erkennen, was sie darauf tun sollen.

Vor der technischen Umsetzung sollten deshalb einige grundlegende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?
  • Welche Botschaft soll nach dem Besuch im Gedächtnis bleiben?
  • Sollen Menschen selbstständig Informationen entdecken oder gemeinsam mit Mitarbeitern durch Inhalte geführt werden?
  • Welche Informationen sind für den ersten Kontakt wichtig?
  • Welche Inhalte gehören erst in eine zweite oder dritte Informationsebene?
  • Wie lässt sich aus der digitalen Interaktion ein persönliches Gespräch entwickeln?

Erst danach sollte entschieden werden, welche Technik sinnvoll ist.

Physische und digitale Elemente miteinander verbinden

Besonders spannend werden Präsentationen, wenn die Grenze zwischen dem physischen und dem digitalen Raum verschwindet. Ein reales Produkt kann beispielsweise neben einem Bildschirm stehen, auf dem seine Funktionsweise erklärt wird. Modelle können mit Animationen kombiniert oder Exponate mit zusätzlichen Informationen ergänzt werden.

Auch die Erkennung realer Objekte eröffnet interessante Möglichkeiten. Wird ein Produktmuster, ein Marker oder ein anderes Objekt auf einer Fläche erkannt, können automatisch passende Inhalte erscheinen. Auf diese Weise wird die Bedienung selbst Teil der Präsentation.

Für Unternehmen ergibt sich daraus ein weiterer Vorteil: Produkte müssen nicht immer vollständig physisch vorhanden sein. Ein kleines Exponat kann als Einstieg in eine wesentlich größere digitale Informationswelt dienen.

Inhalte müssen aktualisierbar bleiben

Bei dauerhaften Installationen spielt außerdem die Pflege der Inhalte eine große Rolle. Produktinformationen ändern sich, neue Modelle kommen hinzu und Unternehmenszahlen werden aktualisiert. Eine Präsentation, die bei jeder kleinen Änderung technisch neu programmiert werden muss, kann schnell unpraktisch werden.

Daher lohnt es sich, bereits bei der Planung über die spätere Content-Pflege nachzudenken. Texte, Bilder, Videos oder Produktdaten sollten möglichst ohne großen technischen Aufwand ausgetauscht werden können.

Das gilt besonders für Präsentationssysteme, die sowohl im Unternehmen als auch auf verschiedenen Veranstaltungen eingesetzt werden. Inhalte können dann je nach Zielgruppe oder Anlass angepasst werden, während das grundsätzliche Bedienkonzept bestehen bleibt.

Interaktive Präsentationen ersetzen das persönliche Gespräch nicht

Bei aller Begeisterung für digitale Technik sollte ein Punkt nicht vergessen werden: Gerade im B2B-Bereich entsteht Vertrauen weiterhin vor allem zwischen Menschen.

Interaktive Medien sollten deshalb nicht versuchen, Vertriebsmitarbeiter oder persönliche Beratung zu ersetzen. Ihre Stärke liegt vielmehr darin, einen guten Einstieg zu schaffen. Sie können Neugier wecken, komplizierte Sachverhalte visualisieren und einen natürlichen Anlass für ein Gespräch liefern.

Statt mit der klassischen Frage „Kann ich Ihnen helfen?“ auf einen Besucher zuzugehen, kann ein Mitarbeiter beispielsweise unmittelbar an einer bereits geöffneten Produktdarstellung anknüpfen. Die Technik schafft damit einen gemeinsamen Bezugspunkt.

Digitale Markenkommunikation wird räumlicher

Die Grenze zwischen klassischem Raumdesign und digitaler Kommunikation wird zunehmend unscharf. Unternehmen gestalten nicht mehr nur Websites, Broschüren und Werbeanzeigen. Auch Räume werden zu Medien.

Ein gut konzipierter Besucherbereich kann dabei vieles gleichzeitig leisten: informieren, Orientierung geben, Produkte erklären, Gespräche anstoßen und die Identität eines Unternehmens sichtbar machen. Digitale Elemente erweitern diese Möglichkeiten um eine zusätzliche Ebene, weil Besucher nicht mehr ausschließlich konsumieren müssen, sondern selbst handeln können.

Ob sich dafür ein großer Touchscreen, ein interaktiver Tisch, eine Videowand, eine Projektion oder eine Kombination verschiedener Elemente eignet, hängt vom jeweiligen Einsatz ab. Entscheidend ist weniger die Größe der Technik als die Qualität der Idee dahinter.

Die spannendsten Präsentationsräume sind deshalb häufig nicht diejenigen mit den meisten Displays. Es sind diejenigen, bei denen Technik, Inhalte und Raum so gut zusammenspielen, dass Besucher die Technik nach wenigen Augenblicken gar nicht mehr als solche wahrnehmen – sondern einfach anfangen, etwas zu entdecken.

Wenn Marken begehbar werden: Wie interaktive Technik die Unternehmenspräsentation verändert
Nach oben scrollen